HERZLICHE EINLADUNG:

In seiner 16. Veranstaltungsreihe diskutierte der AKS Dresden mit Praktiker*innen, Hochschulvertreter*innen und Interessierten die Themen Flucht, Migration und Asyl sowie Spannungsfelder Sozialer Arbeit. Im Nachgang entstand das vorliegende Denkpapier. Es dokumentiert begonnene Diskussionen und führt sie zum Teil weiter.

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Juni 2010; Corax 3/2010

Förderung: Konfusion auf Landesebene. Kein Geld für Bildung?

Es gibt für die Jugend und für die Jugendarbeit in Sachsen 42 Landesverbände und Jugendverbände, die Arbeit in den §§ 11-14 SGB VIII leisten.  Die Aufgabe dieser Verbände auf Landesebene ist es u.a., MitarbeiterInnen und MultiplikatorInnen weiterzubilden und außerschulische Jugendbildung immer dann anzubieten, wenn für das jeweilige Thema auf der kommunale Ebene nicht genug Nachfrage besteht oder wenn es Modellcharakter hat. Diese 42 Verbände haben im Jahr 2007 (neuere Zahlen liegen nicht vor) mit 65 Personen  insgesamt 1.429 Maßnahmen durchgeführt mit 27.437 TeilnehmerInnen. Das bedeutet, dass ein sehr großer Teil der Beschäftigten und Ehrenamtlichen in der Jugendarbeit Sachsens weitergebildet wurden und sehr viele Jugendliche an Maßnahmen der außerschulischen Jugendbildung durch die überörtlichen freien Träger der Jugendarbeit teilnehmen konnten. Damit das (und anderes) so geschehen kann, werden diese Träger (darunter z.B. AGJF, Kinder- und Jugendring Sachsen, Kindervereinigung,  Kinderschutzbund, Landesvereinigung Kulturelle Jugendbildung, Sächsische Landjugend, u.a.) mit Kosten für Büros, Technik, Personal und die Bildungsmaßnahmen gefördert.

Dieses Jahr ist alles anders. Das betrifft zum Beispiel die Personal- und Sachkosten. Hier wurde im laufenden Jahr im April festgelegt, dass nicht wie bisher 10 Prozent sondern 20 Prozent Eigenmittel zu erbringen sind (siehe letzter Corax). Schon diese Regelung bricht einigen Verbänden das Rückgrat, weil es kaum möglich ist, 30.000 bis 80.000 Euro im Jahr zu erwirtschaften. Nun kommt es aber noch schlechter: Während bisher über eine Richtlinie Fördergelder für die einzelnen Bildungsmaßnahmen beantragt werden konnten, gibt es nun im Monatsrhythmus unterschiedliche Aussagen. Bis letztes Jahr wurden die Maßnahmen, die von den Verbänden eingereicht wurden, in aller Regel bewilligt. Auf dieser Grundlage haben die Träger im Herbst des letzten Jahres wieder beantragt und in der Folge Jahresfortbildungspläne aufgestellt und Programmhefte gedruckt. Im April wurden die Verbände dann darüber informiert, dass rückwirkend für 2010 überhaupt keine Gelder für die Bildungsmaßnahmen bewilligt werden.  Alle Planungen waren gegenstandslos und schlimmer noch: Alle bisher in den Maßnahmen ausgegebenen Kosten mussten abgeschrieben werden. Sehr viele Maßnahmen mussten daraufhin abgesagt werden.

Ende Mai wurden dann überraschend alle Träger aufgefordert, nun eine Prioritätenliste abzugeben. Es waren noch Gelder gefunden worden. Innerhalb von sechs Tagen sollten für 30 Prozent der Antragssumme Maßnahmen an den KSV (Kommunaler Sozialverband) gemeldet werden, die die Verbände in 2010 noch durchführen wollen. Das bedeutet, dass in diesem Jahr 70 Prozent weniger Gelder für Bildung auf Landesebene zur Verfügung stehen. Vor einigen Tagen erreichte die Verbände die nächste Überraschung: Entgegen der Auswahl, die einige Verbände getroffen hatten, sollen nun nur Maßnahmen gefördert werden, die in den  Bereich „Mitarbeiter- und Multiplikatorenfortbildung“ fallen. Nun heißt es wieder umplanen und das innerhalb weniger Tage.

Wir schreiben heute den 7. Juni und es soll um Maßnahmen gehen, die 2010 stattfinden können. Professionelles Arbeiten heißt für uns SozialpädagogInnen: Planvoll und Zielgerichtet vorgehen. Mit einem derartigen Förderchaos auf Landesebene ist das im Jahr 2010 nicht möglich.

Björn Redmann