HERZLICHE EINLADUNG:

In seiner 16. Veranstaltungsreihe diskutierte der AKS Dresden mit Praktiker*innen, Hochschulvertreter*innen und Interessierten die Themen Flucht, Migration und Asyl sowie Spannungsfelder Sozialer Arbeit. Im Nachgang entstand das vorliegende Denkpapier. Es dokumentiert begonnene Diskussionen und führt sie zum Teil weiter.

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Mai 2010; Corax 2/2010

Zukunft & Zusammenhalt - Das Bündnis für ein soziales Sachsen

Gründungsveranstaltung am 27.05.2010

 

Der Hörsaal der Evangelischen Hochschule Dresden (Ehs) war an diesem Nachmittag auch auf den zusätzlich hereingeholten Stühlen bis auf den letzten Platz gefüllt. Der Grund dafür war jedoch weder ein Seminar noch eine Vorlesung, sondern eine Veranstaltung, die auch die Ehs nicht alle Tage zu sehen bekommt. Ca. 120 VertreterInnen aus den Bereichen Soziales, Bildung, Kultur und Arbeit waren dem Aufruf gefolgt ein „Bündnis für ein soziales Sachsen“ zu gründen, welches den Titel „Zukunft und Zusammenhalt“ trägt. Ein Bündnis in dieser Breite ist bis dato wahrscheinlich einmalig. An diesem Tag saßen SozialarbeiterInnen neben den Gewerkschaften, die VertreterInnen der Wohlfahrtsverbände neben StudentInnen, Studierendenvertretungen und ProfessorInnen, PolitikerInnen neben VertreterInnen des Bereiches Kultur und Soziokultur, sowie Seniorenverbände neben PsychologInnen. So unterschiedlich die Bereiche waren aus denen die Anwesenden kamen, so hatten doch alle auch etwas gemeinsam: die Unzufriedenheit mit der aktuellen Kürzungspolitik der Landesregierung und den Wunsch, gemeinsam darüber nachzudenken wie man miteinander umgehen und leben möchte.

 

Nach den einleitenden Worten des Moderators Professor Dr. Herbert Effinger, erklärte Björn Redmann als Sprecher der Koordinierungsgruppe, „was das Bündnis ist, was es nicht ist und was es werden will“. Das Bündnis soll „breit“ sein, durch die Vielzahl der Menschen, die aus vielen verschieden Arbeitsbereichen alle einen unterschiedlichen Einfluss mitbringen. Es soll „offen“ sein für Vereine und Verbände aus allen Bereichen, ausgenommen davon sind natürlich neonazistische und rechtsextreme Gruppierungen. Außerdem soll das Bündnis „kämpferisch“ sein: „denn es geht um nichts weniger als die Aufstockung der Mittel in den Bereichen Bildung, Kultur und Soziales und die Verhinderung weiterer Kürzungen. Insgesamt geht es um einen breiten gesellschaftlichen Diskurs darüber, wie die Gesellschaft in Sachsen zukünftig aussehen soll. Das Bündnis will einen Dialog anstoßen und die Bedeutung von Bildung, Kultur und Sozialer Arbeit herausstellen. Dies geht nicht, ohne die aktuell herrschende Politik zu kritisieren.“

In der Antwort auf die Frage, was das Bündnis nicht ist, betonte er, dass es keinen Alleinvertretungsanspruch haben will. Es soll nicht die geplanten Aktionen auf der lokalen Ebene oder im Landeszusammenhang managen oder übernehmen, sondern soll zusammenführen und unterstützen, was an Aktionen vor Ort geplant ist. Es soll ein Dach bieten, unter das man sich stellen kann.

Was das Bündnis werden soll beschrieb er mit den Stichworten aktionsgeleitet, kommunikativ und beteiligungsorientiert.

 

Im Anschluss gab es kurze Redebeiträge von VertreterInnen aus den verschiedenen Arbeitsbereichen.

Beate   Hennig,   Vorsitzende   der   Liga   der   Freien   Wohlfahrtspflege,   betonte   in   ihrem Redebeitrag, den notwendigen Erhalt der Teilhabe- und Chancengerechtigkeit im Freistaat. Die  Staatsregierung  müsse  endlich  eine  klare  Prioritätensetzung  für  ein  Miteinander  im Freistaat vornehmen.

Wenke Trumpold, Geschäftsführerin des Kinder- und Jugendring Sachsen, unterstrich noch einmal die Bedeutung der Jugendarbeit für Sachsen. Die Fachkräfte und Leistungsträger von morgen  müssten  schon heute  eine  gute  Förderung  erfahren,  damit  in  Sachsen  auch zukünftig Höchstleistungen erbracht werden können.

Der Sprecher der Konferenz Sächsischer Studierendenschaften, Michael Moschke, kritisierte die  Debatte  um  Kürzungen  im  Bildungsbereich.  Bereits  jetzt  seinen  die  Hochschulen unterfinanziert.  Anstatt  viel  Geld  in  die  teure  Imagekampagne  „Pack  dein  Studium  in Sachsen“  zu  stecken,  solle  die  Staatsregierung  die  Gelder  besser  direkt  in  die  Bildung investieren.

Sachsens DGB-Vorsitzende Iris Kloppich, sprach sich für den im Bündnisaufruf formulierten Diskurs  über  die  zukünftige  Gestaltung  der  Gesellschaft  aus.  Von  der  Staatsregierung erwarte sie nun endlich Konzepte für das zukünftige Regierungshandeln.

 

Ein Sprecher des Bündnisses wies die aus der CDU-Fraktion vorgebrachten Vorwürfe „ein Bündnis der Besitzstandswahrer“ zu gründen zurück. Es sei traurig, dass dies so gesehen werde.  Dem  Bündnis  gehe  es  jedoch  darum,  die  Auswirkungen  der  Kürzungen  für  die Menschen  in  Sachsen  aufzuzeigen.  Es  sei  zudem  beschämend,  dass  Bildungs-  und Sozialbereich  immer  wieder  um  ihre  Existenzberechtigung  kämpfen  müssen,  obwohl  dort entscheidende Leistungen für die Gesellschaft erbracht würden. Wenn die Regierung immer wieder die Bedeutung von Investitionen für die Zukunft hervorhebt, müsse sie jetzt erkennen, dass Kultur, Bildung und Soziales dazugehören. Wer nicht nur auf kurzfristige Effekte aus ist, sondern langfristig und nachhaltig denkt, komme um diesen Fakt nicht herum.

 

Als erste konkrete Aktion werden sich die UnterstützerInnen von „Zukunft & Zusammenhalt“ der Demonstration am 16. Juni in  Dresden  anschließen,  um  sich  für  ein  soziales  Sachsen  einzusetzen.  Ab  17.00  Uhr  soll eine Kundgebung vor dem Landtag stattfinden.

 

Nach zwei Stunden motivierter Beiträge und Ideen zur Weiterentwicklung des Bündnisses, war die Veranstaltung beendet. Das Ende der Veranstaltung bedeutete aber vielmehr den Start in eine Zeit vieler Gespräche und Debatten über die Zukunft der Menschen in Sachsen. Wenn die Solidarität und der Zusammenhalt des Bündnisses nicht abreißt, dann wurde an diesem Tag vielleicht der Grundstein für ein „soziales Sachsen“ gelegt.

 

Nähere Informationen zum Bündnis finden Sie in auf  www.zukunftundzusammenhalt.de.

 

(Dieser Artikel bezieht sich auf die Pressemitteilung von Thomas Neumann, Paritätischer Wohlfahrtsverband.)

 

Johannes Reuter