HERZLICHE EINLADUNG:

In seiner 16. Veranstaltungsreihe diskutierte der AKS Dresden mit Praktiker*innen, Hochschulvertreter*innen und Interessierten die Themen Flucht, Migration und Asyl sowie Spannungsfelder Sozialer Arbeit. Im Nachgang entstand das vorliegende Denkpapier. Es dokumentiert begonnene Diskussionen und führt sie zum Teil weiter.

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Frühjahr 208

Forderungskatalog an den/die neue/n Dresdner Bürgermeister/in

Ein lebenswertes Dresden unserer Zeit muss neben wirtschaftlicher Prosperität, Hochkultur und Tourismus geprägt sein durch eine gut ausgebaute soziale Infrastruktur, Teilhabe aller Menschen, die in der Stadt leben am gesellschaftlichen, sozialen und kulturellen Leben und Integration in ein demokratisches Gemeinwesen. Die Dresdner Sozial- und Jugendarbeit erlebt in ihrer Praxis häufig ein anderes Dresdner Gesicht: Die Arbeitslosenrate (12 %) ist hoch, 57.000 Menschen sind in Dresden von Transferleistungen des SGB II abhängig, die Zahlen zu Armut und Kinderarmut nehmen deutlich zu, die Lebenssituationen von MigrantInnen in AsylbewerberInnenheimen sind bedenklich, rechtsextreme Aktivitäten nehmen zu, Stadtteile und einzelne Straßenzüge entwickeln sich zu sozialen Problemgebieten.
Die Dresdner Jugend- und Sozialarbeit leistet an all diesen Stellen einen erheblichen Beitrag zur Verbesserung der Lebenssituationen von Menschen, zur Förderung von Teilhabe und gelingender Integration.

Sie als neue/r Dresdner Bürgermeister/in setzen eine Vielzahl von Rahmenbedingungen, unter denen Menschen in dieser Stadt leben. Sie haben die Möglichkeit, in Ihrer Amtszeit diese Bereiche zu gestalten.

Wir - als VertreterInnen der Jugend- und Sozialarbeit und unserer KlientInnen - erwarten von Ihnen die Umsetzung der folgenden, dringend erforderlichen Punkte. Wir sind bereit, Sie bei dieser Arbeit tatkräftig und beratend zu unterstützen.

 

1. Aktive Strategie gegen Kinderarmut
Kinderarmut ist keine Randerscheinung mehr. Sie ist inzwischen ein Massenphänomen, das auch in Dresden deutlich spürbar ist. Arme Kinder und Jugendliche werden strukturell ausgegrenzt. Armutslagen von Kindern und Jugendlichen sind häufig mit eingeschränkten Lebens- und Teilhabechancen verbunden. Armut ist der größte Risikofaktor für die kindliche Entwicklung. Sie wirkt ab frühster Kindheit und hat Langzeitfolgen. Daher fordern wir Sie auf, Rahmenbedingungen zu schaffen, die Kindern und Jugendlichen aus armen Familien eine faire Chance geben, ihre individuellen Potentiale zu entwickeln und zu entfalten, gesund auf- zuwachsen, Bildungs- und Förderangebote wahrzunehmen und so eine gute Ausgangsposition für ihre weitere Lebensgestaltung und ihre berufliche Perspektive zu erhalten.

  • kostenfreies Essen in KITA und Schule,
  • kostenfreier ÖPNV für Kinder (< 15 Jahren),
  • kostenfreie Lernmittel für alle SchülerInnen.

2. Soziale Integration
Die Lebensbedingungen von Bürgerinnen und Bürgern der Stadt Dresden, die von Leistungen des SGB II, SGB III und SGB XII abhängig sind oder im Niedriglohnsektor beschäftigt sind, haben sich massiv verschlechtert. Diese Armutslagen führen zur Ausgrenzung aus dem gesellschaftlichen Leben, lassen Selbstbewusstsein und Selbstwirkungskräfte der Betroffenen schwinden und erhöhen das Risiko psychischer Erkrankungen. Aus diesem Grund fordern wir lebenswerte Perspektiven in unserer Stadt.

-     Verhinderung der Konzentration von Personen, die von Transferleistungen des SGB II abhängig sind, auf einzelne Stadtteile oder Straßenzüge;
-     Sozialticket im ÖPNV auf Niveau der für Mobilität vorgesehenen SGB II-Regelsätze (15,43 Euro);
-     Ausweitungen der Leistungen des Dresden-Passes (Schwimmbäder, Museen, Bibliothek etc.) und die Möglichkeit der Beantragung des Passes in den Ortsämtern.

3. Angebote der Jugendarbeit
Dresdner Jugendarbeit macht Angebote an Kinder und Jugendliche zur Integration, Bildung und Freizeitgestaltung innerhalb einer demokratischen Jugendarbeit. Die Vielfältigkeit der Angebote und Einrichtungen zeugt vom gewachsenen, erprobten und bedarfsgerechten Agieren der Kinder- und Jugendhilfe. Die Einrichtungen und Angebote stellen sich den Herausforderungen und Themen, die Kinder und Jugendliche täglich mitbringen. Es ist zu beobachten, dass Nöte und Sorgen wie Armut, Arbeitslosigkeit, Misserfolge in Schule und Probleme in den Elternhäusern deutlich zunehmen. Für die Verwirklichung von Integration und Teilhabe benötigen die KollegInnen jedoch verlässliche Strukturen und Perspektiven.

  • Stärkung der Angebote der offenen Arbeit für Kinder und Jugendliche (wir sehen die Gefahr, dass aufgrund der geburtsschwachen Jahrgänge versucht wird in diesem Bereich zu kürzen, der Bedarf aber nicht geringer wird);
  • Beibehaltung der Mehrjahresförderung bei Trägern, um Planungssicherheit bei Trägern und Projekten zu gewährleisten.

 4. Verbesserung einzelner Regelungen in den „Hilfen zur Erziehung“
In Dresden erhalten rund 1.300 Kinder, Jugendliche und Familien Hilfen zur Erziehung nach SGB VIII. Trotz zahlenmäßig leichten Rückgängen haben es die Fachkräfte in den Einrichtungen zunehmend mit herausfordernden vielfachen Problemlagen zu tun. Hier braucht es schnelle Entscheidungen und umfängliche Unterstützungen in den Hilfeplangesprächen.
Wir erleben Arbeitsüberlastungen und hohe Krankenstände in den Allgemeinen Sozialen Diensten, die davon zeugen, dass Personal aufgestockt und weiter qualifiziert werden muss. Obwohl Dresden erfreulicherweise keine Einrichtung der geschlossenen Unterbringung von Kindern und Jugendlichen im Geltungsbereich des SGB VIII vorhält, werden aktuell 17 Kinder und Jugendliche in anderen Bundesländern in solcherart Einrichtungen untergebracht, was Jugendhilfe-Prinzipien klar widerspricht. Diese Hilfen müssen zeitnah beendet werden.

  • Stärkung des Wunsch- und Wahlrechtes (§ 5 SGB VIII) für Kinder, Jugendliche und Personensorgeberechtigte;
  • Verbesserung der Zusammenarbeit zwischen freien und öffentlichen Trägern;
  • keine Belegung von Einrichtungen der geschlossenen Unterbringung mit Kindern oder Jugendlichen aus Dresden. Sofortige Beendigung der entsprechenden Hilfen;
  • Ermöglichung Intensiv Sozialpädagogischer Einzelbetreuung auch wieder im Ausland;
  • Gewährung notwendiger erzieherischer Hilfen nicht an die Mindestdauer einer vorherigen dreimonatige Beratung binden;
  • bedarfsgerechte Aufstockung des Personals beim ASD;
  • keinen Aufbau von Einrichtungen und Diensten der geschlossenen Unterbringung in Dresden.

5. Qualifizierung der Jugendhilfeplanungsprozesse unter Beteiligung von Trägern und
    AdressatInnen
Jugendhilfeplanung wird in Dresden nachvollziehbar und transparent betrieben. Allerdings sehen wir unter der Maßgabe von Beteiligung und Fachdiskurs noch Potentiale, die auszuschöpfen sein werden. Wenn Teilhabe auch Mitbestimmung meint, dann sind die AdressatInnen der Jugendarbeit, also die Kinder, Jugendlichen und Familien konsequent zu beteiligen. Des Weiteren sollten die Fachkräfte umfassender beteiligt sein.

      • Konsequente Beteiligung der Stadtteilrunden und Facharbeitsgruppen an den Jugendhilfeplanungen, zeitlich angemessen;
      • Beteiligung von Kindern, Jugendlichen und Familien an den Jugendhilfeplanungen. 

6. Umgang mit Flüchtlingen
Zum Alltag des sich als „weltoffen“ bezeichnenden Dresden gehört leider nach wie vor die Unterscheidung von Menschen deutscher und nicht-deutscher Herkunft. Besondere Probleme sehen wir in dem Menschenrechts-beschneidenden Umgang mit Flüchtlingen, welche versuchen, sich eine neue Existenz aufzubauen. Damit strukturelle Diskriminierungen ein Ende haben, fordern wir:

  • Konsequente Dezentralisierung der Unterbringung von AsylbewerberInnen;
  • Schulung interkultureller Kompetenzen der MitarbeiterInnen der lokalen Ausländerbehörde.

Positionspapier zum Herunterladen

Forderungskatalog.pdf

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