HERZLICHE EINLADUNG:

In seiner 16. Veranstaltungsreihe diskutierte der AKS Dresden mit Praktiker*innen, Hochschulvertreter*innen und Interessierten die Themen Flucht, Migration und Asyl sowie Spannungsfelder Sozialer Arbeit. Im Nachgang entstand das vorliegende Denkpapier. Es dokumentiert begonnene Diskussionen und führt sie zum Teil weiter.

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Abgeschafft - Vom Ende der Offenen Kinder- und Jugendarbeit

Seit den 1960er zielen die Theorien der (Kinder- und) Jugendarbeit darauf ab, besagtes Handlungsfeld als eigenständigen Sozialisationsraum für Mädchen und Jungen fernab sozial- und ordnungspolitischer Inanspruchnahme zu begründen. Ungeachtet dessen, ob es sich dabei um Theorien der emanzipatorische, subjektorientierte u. a. Jugendarbeit oder um Konzepte der Cliquenorientierung, Sozialraumaneignung sowie Befähigungsgerechtigkeit u. a. handelte, ging es doch stets darum, von den Interessen, Bedürfnissen und Erfahrungen junger Menschen ausgehend zu agieren.

Im letzten Jahrzehnt jedoch scheint die offene Jugendarbeit mehr und mehr von ihrer Eigenständigkeit – allem voran von ihrer Spezifika bspw. der Offenheit, Freiwilligkeit, Partizipation und Toleranz – abgekommen zu sein. Natürlich ist hier ein gezielter politischer Druck auszumachen, aber auch die Fachkräfte scheinen auf der Suche nach Anerkennung Irrungen und Wirrungen zu unterliegen, die Tür und Tor geöffnet haben für die Inanspruchnahme der (offenen) Jugendarbeit durch erzieherische Hilfen, soziale Kontrolle und vor allem durch Schule. Jugendarbeit scheint sich verkehrt zu haben, so wie es Scherr und Sturzenhecker* unlängst feststellten.

Kann es unter solchen Voraussetzungen zukünftig noch eine eigenständige offene Jugendarbeit geben, welche für und durch Jungen und Mädchen gestaltet wird, oder diffundiert sie in andere Handlungsfelder bis zu ihrer völligen Auflösung?

In unserer 17. Veranstaltungsreihe wollen wir daher prüfen, ob die Fachkräfte selbst die Jugendarbeit abschaffen, ob Jugendarbeit durch Schule kolonialisiert wird oder schon ist und inwieweit die Spezifika der offenen Jugendarbeit überhaupt noch offensiv errungen und erfüllt werden.

* Scherr, Albert; Sturzenhecker, Benedikt (2014): Jugendarbeit verkehrt: Thesen gegen die Abwicklung der Offenen Kinder- und Jugendarbeit durch ihre Fachkräfte. In: deutsche Jugend 62 (9), S. 369–376.

Abschaffung der Jugendarbeit durch ihre Fachkräfte

11. Mai 2016, 19 – 21 Uhr in der EHS Dresden, mit Prof. Dr. Peter-Ulrich Wendt (Landesvorsitzender des Paritätischen Sachsen-Anhalt), Moderation: Andreas Borchert

Jugendarbeit positioniert sich seit mehr als 50 Jahren sowohl in Theorie als auch in Praxis stets in Distanz und Kritik zu einer politischen Aufgabenzuweisung, welche Jugend mit sozialer Kontrolle und Erziehung zur Anpassung begegnen will. Nunmehr scheint sich mit dem Wandel des Blickes auf junge Menschen u.a. als Humankapital auch das Agieren der Fachkräfte geändert zu haben. Es geht kaum noch um die Entfaltung des Eigensinns der Jugendlichen und das Unterstützen gesellschaftskritischer Impulse von Jugendkulturen und -bewegungen, sondern mehr darum, was Jugendarbeit alles leisten kann, damit der junge Mensch fit ist für das Leben, für die Arbeitswelt, kurz um für den Kapitalismus. Sorgen hier also die Fachkräfte für das Abschaffen der Jugendarbeit? Und passt das zusammen mit dem gerade in Sachsen vermehrt aufkommenden Eintreten für Beteiligung junger Menschen durch die Jugendarbeiter*innen? Prof. Dr. Peter-Ulrich Wendt würde wohl sagen: „Alles eine Frage der (fehlenden) Emanzipation.“

Kolonialisierung durch Schule?

27. Mai 2016, 19 – 21 Uhr in der EHS Dresden, mit Prof. Dr. Werner Thole (Universität Kassel), Moderation: Andreas Borchert

Spätestens mit den ersten Pisa-Studien wurde die Diskussion um das Verhältnis von Jugendarbeit und Schule neu eröffnet. Für die Jugendarbeit ging es darum ihre eigenen Bildungspotentiale zu erkennen, zu proklamieren und innerhalb der Kooperation mit Schule für alle Kinder und Jugendlichen nutzbar zu machen. Dafür war es angedacht, dass sich beide Institutionen für einander öffnen. Zumeist wird davon ausgegangen, dass die Jugendarbeit alles dafür gegeben hat, um so auch eine gesellschaftliche Aufwertung zu erfahren, während innerhalb der Schule außer der Einführung von Ganztagsangeboten und der zunehmenden Implementierung von Schulsozialarbeit scheinbar recht wenig und schon gar keine Öffnung stattfand. Wie sieht es also aus mit dem Verhältnis von Schule und Jugendarbeit? Gefährdet das Bildungsprimat das Prinzip der Offenheit in der Jugendarbeit? Verkommt Jugendarbeit zu einem Ganztagsangebot in Schule? Führt der Bedarf nach mehr Schulsozialarbeit gar zur Abschaffung der Jugendarbeit? Oder etwas drastischer: Wurde Jugendarbeit durch Schule kolonialisiert?

Vom Ende der Offenheit? – Impulse für eine Re-Akzentuierung des Offenen Charakters der Jugendarbeit!

23. Juni 2016, 19 -21 Uhr in der EHS Dresden, Moderation: Michaela Gloger und Björn Redmann

Viele Einrichtungen und Angebote der Offenen Kinder- und Jugendarbeit sind, so behaupten wir, vielseitig, interessenorientiert und partizipativ ausgerichtet – aber sie sind nicht (mehr) offen.

Einfluss auf die OKJA haben vor allem Vorgaben der Fördermittelgeber, Präventionslogiken, Erfordernisse aus rechtlichen Vorgaben (z.B. § 8a, § 14), die Wahrung jugendschutzrechtlicher Aspekte, Interessen kooperierender Institutionen, des Trägers bzw. der Kolleg_innen.

Was aber ist der Auftrag der OKJA? Und wer beauftragt die Fachkräfte? OKJA richtet sich an alle jungen Menschen bis zum vollendeten 27. Lebensjahr und stellt ihnen einen offenen, d.h. eigenständigen Sozialisationsraum zur Verfügung. Aber was meint „Offenheit“ in diesem Kontext?

Wir richten in dieser letzten Veranstaltung einen kritischen Blick auf die gelebte Praxis der OKJA in Sachsen. Anhand der Erfahrungen wollen wir in Verbindung mit einem Artikel von Albert Scherr und Benedikt Sturzenhecker* diskutieren, ob die OKJA eine Reorganisation hin zu mehr Offenheit braucht und wie ein solcher Aufbruch aussehen könnte.