HERZLICHE EINLADUNG:

„Ich bin dann mal weg …“ Kriminalität und Kriminalisierung oder die Frage danach wie wir mit Abweichung umgehen wollen?

23.10.2018 - Abweichendes Verhalten und Kriminalisierung im Wandel gesellschaftlicher Diskurse

08.11.2018 - Praxis des Strafvollzugs in der Bundesrepublik im Spannungsfeld zwischen Entlassungsvorbereitung und dem Schutz der Gesellschaft

15.01.2019 - Abolitionismus / die Frage nach der Abschaffung der Gefängnisse

 

In seiner 16. Veranstaltungsreihe diskutierte der AKS Dresden mit Praktiker*innen, Hochschulvertreter*innen und Interessierten die Themen Flucht, Migration und Asyl sowie Spannungsfelder Sozialer Arbeit. Im Nachgang entstand das vorliegende Denkpapier. Es dokumentiert begonnene Diskussionen und führt sie zum Teil weiter.

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„Ich bin dann mal weg …“ Kriminalität und Kriminalisierung oder die Frage danach wie, wir mit Abweichung umgehen wollen?

 

Mit Blick auf die Kriminalpolitik der letzten 25 Jahre zeichnet sich eine deutliche Verschiebung innerhalb der sozialpädagogischen Praxis im Umgang mit abweichenden Verhalten ab. Kennzeichnend sind zunächst die etablierten Maßnahmen einer Politik der sozialen Ausschließung, sodass „resozialisierende“ und integrierende Ansätzen vielfach zurückgedrängt werden. Demgegenüber treten zunehmend die strafenden Praxen des Vollzuges, punitive Tendenzen oder Absicherungsbedürfnisse der Beschäftigten in den Vordergrund. Damit läuft insbesondere sozialpädagogische Arbeit im Strafvollzug Gefahr, ihren grundsätzlichen Handlungsauftrag aus dem Blick zu verlieren und unterstützt damit die gesellschaftliche Entwicklung weg vom Wohlfahrtsstaat hin zu einem strafenden Staat (vgl. Fritz Sack).

Soziale Arbeit im Kontext von Kriminalisierung und dem Umgang mit abweichendem Verhalten hätte aber die Aufgabe, rein strafende Praxen des Vollzugs in Frage zu stellen und dem eine Praxis gegenüberzustellen, die Menschen in die Lage versetzt, sich als handelnde Subjekte in ihrem Leben zu verstehen. In diesem Kontext wäre es ihre Aufgabe, reale Freiheiten zu erstreiten und einmischend für eine andere Kriminalpolitik einzustehen.

Den AKS Dresden beschäftigen dabei drei zentrale Fragestellungen: (1.) Mit welchem Verständnis geht Soziale Arbeit an Phänomene wie Abweichung und Kriminalisierung heran? (2.) Wie wird sozialpädagogisches Handeln im Arbeitsfeld Straffälligenhilfe derzeit ausgestaltet und welche Möglichkeiten eröffnen wir, um Menschen ein gelingenderes Leben außerhalb des Gefängnisses zu ermöglichen? (3.) Wie sähe unsere Gesellschaft aus, wenn wir die Gefängnisse ersatzlos abschaffen würden?

 

1. Veranstaltung: Abweichendes Verhalten und Kriminalisierung im Wandel gesellschaftlicher Diskurse

Wie eine Gesellschaft mit Abweichung umgeht; was sie als Verhalten in welcher Art sanktioniert; welche Verfehlungen mit dem Strafrecht geahndet werden und wie der Strafvollzug organisiert wird - all das sind hoch politische Fragen. Der Diskurs um diese Fragen findet in modernen Gesellschaften vor dem Hintergrund gesellschaftlicher Debatten statt. Soziale Arbeit ist mit diesen Fragen tagtäglich konfrontiert. Das Alleinstellungsmerkmal Sozialer Arbeit in diesem Kontext zeigt sich unter anderem darin, dass sie die Zusammenhänge zwischen Exklusion und Abweichung, zwischen Integration und Sicherheit, zwischen Legalität und Legitimität dezidiert in den Blick nimmt, womit sie sich von dem vermeintlichen Auftrag als Erfüllungsgehilfe der Justiz zu fungieren, eindeutig abgegrenzt. Ein „Schwarz-Weiß“ Denken, welches sich bspw. in der Einteilung von Opfer- und Tätergruppen äußert, gilt hierbei als zu kurz gegriffen und läuft Gefahr die notwendige Komplexität bei der Betrachtung dieser Thematik zu unterschlagen. In der Auftaktveranstaltung wollen wir das Feld zwischen abweichendem Verhalten, Kriminalität und Kriminalisierung grob umpflügen und laden zum erneuten kritischen Nachdenken über vermeintliche Klarheiten ein. Außerdem werden wir die Funktionen von Sozialer Arbeit im Strafvollzug besprechen und uns fragen, wie eine verantwortungsvolle und reflektierte Rolle von Sozialer Arbeit im Strafvollzug aussehen könnte.

Termin: 23.10.2018 – 19:00 Uhr bis 21:00 Uhr

Gast: Prof. Dr. Michael Lindenberg (Das Rauhe Haus – Evangelische Hochschule für Soziale Arbeit & Diakonie Hamburg)

Moderation: Björn Redmann (AKS Dresden)

2. Praxis des Strafvollzugs in der Bundesrepublik im Spannungsfeld zwischen Entlassungsvorbereitung und dem Schutz der Gesellschaft

Mit Blick auf §2 Strafvollzugsgesetz tritt ein Spannungsfeld zu Tage in dem Soziale Arbeit agiert. Die Freiheitsstrafe soll es einem inhaftierten Menschen ermöglichen zukünftig ein Leben in sozialer Verantwortung zu führen und gleichzeitig formuliert das Gesetz einen Schutzauftrag für die Gesellschaft vor erneuter Straffälligkeit ihrer Mitglieder. Die Gestaltung von Entlassungsvorbereitung entpuppt sich in diesem Zusammenhang sowohl für die inhaftierten Menschen als auch die Mitarbeitenden in den intramuralen Strukturen als enorme Herausforderung, die sich bspw. in der Gewährung von sogenannten „vollzugsöffnenden Maßnahmen“ und einer damit einhergehenden frühzeitigen und gezielten Entlassungsvorbereitung äußert. Uns interessiert in dieser Veranstaltung insbesondere die Frage, wie das sozialpädagogische Handeln im Arbeitsfeld Straffälligenhilfe derzeit ausgestaltet wird? Im Hinblick auf die gesetzliche Grundlage drängen sich weitere Fragen auf: Welche Perspektiven eröffnet Soziale Arbeit, welche Bereitschaft bringt unsere Gesellschaft hierfür mit und wie können Entwicklungsschritte in diesem Kontext aussehen, um Menschen ein gelingenderes Leben außerhalb des Gefängnisses zu ermöglichen? Zu diesen Fragen möchten wir uns mit zwei Vertretern austauschen, die mithilfe ihrer unterschiedlichen Erfahrungen und Sichtweisen die Thematik beleuchten.

Datum: 08.11.2018 – 19:15 Uhr – 21:15 Uhr

Die AKS-Veranstaltung findet im Rahmen der 22. Europatagung der ehs Dresden statt.

Ab 18.45 Uhr laden wir Sie herzlich zu einem kleinen Imbiss ein.

Gäste: Prof. Dr. Heinz Cornel sowie Martina Franke der Gefangenen Gewerkschaft Bundesweite Organisation

Moderation: Sarah Blume (AKS Dresden)

 

3. Veranstaltung: Abolitionismus / die Frage nach der Abschaffung der Gefängnisse

Was spricht eigentlich für die Einrichtung von Gefängnissen? Und vor allem, was spricht gegen diese Orte? Wenn es so sein sollte, dass es zunehmend seltener zum Antritt einer Gefängnisstrafe kommt, dass Resozialisierung im Gefängnis nicht mehr stattfindet, dass der Aufenthalt sich schädlich auf die Gefangenen auswirkt, eine Gesellschaft durch sie nicht sicherer wird und Abschreckung durch sie keine Wirkung erzielt. Was also spräche dagegen, sie ersatzlos abzuschaffen? Die Idee des Abolitionismus gibt es in der Kriminologie seit den 1970er Jahren. Seitdem liegt ein beachtlicher Zeitraum dazwischen, indem die Fachöffentlichkeit diesen Gedanken nicht weiter diskutierte. Die Fachzeitschrift Informationsdienst Straffälligenhilfe hat sich dieser Thematik erneut angenommen und die Debatte in der aktuellen Ausgabe neu entfacht. Was also spräche gegen eine Abschaffung der Gefängnisse? Wir diskutieren diese Frage mit zwei Vertretern, die in der Debatte dazu das Wort erhoben und sich positioniert haben.

Termin: 15.01.2019 – 19:00 Uhr – 21:00 Uhr

Gäste: Dr. Thomas Galli, Rechtsanwalt und Autor

Moderation: Christiane Löffler (AKS Dresden)

 

Veranstaltungsort für alle Veranstaltungen:

 

Evangelische Hochschule Dresden, Seminarraum 3.215

Dürerstraße 25, 01307 Dresden

Die Veranstaltungsreihe ist grundsätzlich kostenfrei. Der Arbeitskreis freut sich über Spenden, um weitere Veranstaltungen mit ausgewählten Referent*innen finanzieren zu können.

 

Der aktuelle Flyer zur 20. Veranstaltungsreihe

AKS-Dresden_2018.pdf