HERZLICHE EINLADUNG:

In seiner 16. Veranstaltungsreihe diskutierte der AKS Dresden mit Praktiker*innen, Hochschulvertreter*innen und Interessierten die Themen Flucht, Migration und Asyl sowie Spannungsfelder Sozialer Arbeit. Im Nachgang entstand das vorliegende Denkpapier. Es dokumentiert begonnene Diskussionen und führt sie zum Teil weiter.

Bitte um Spenden

Die Arbeit des AKS kostet Geld. Auch wenn unsere Veranstaltungen grundsätzlich kostenfrei sind, kosten sie natürlich Geld. Wir bitten daher um Spenden.

Rahmenbedingungen für eine bürger_innengerechte Soziale Arbeit

Inhalt:

Soziale Arbeit gewinnt in einer modernen, sekularen Gesellschaft, die sich immer stärker differenziert, individualisiert, pluralisiert als gesellschaftliches System zunehmend Raum und Bedeutung. Kindheit, Familienleben, Armut, Alter – um nur einige Lebensmerkmale zu nennen – werden zunehmend institutionalisiert und in „öffentlicher und privater Verantwortung“ (Elfter Jugendbericht) organisiert. Lebenskrisen und –risiken können immer weniger von den einzelnen Menschen, ihren Familien oder Gemeinschaften bewältigt bzw. abgesichert werden.


Qualifizierte, bedarfsgerechte Soziale Arbeit verlangt in den komplexen gesellschaftlichen Bedingungen anspruchsvolle Strukturen, demokratische Vertretung der leistungsberechtigten BürgerInnen und hoch qualifizierte Fachkräfte. Dies sind Anforderungen, die sowohl eine ökonomische Absicherung wie auch entsprechende gesellschaftliche Bewertung bedingen.


Gleichzeitig gibt es zahlreiche empirische Hinweise darauf, dass Soziale Arbeit im politischen Raum entwertet wird, die Ressourcen nicht ausreichen, ein Bedeutungsverlust bei der Interessenvertretung der AdressatInnen durch Wohlfahrts- und Jugendorganisationen sichtbar wird und eine Dequalifizierung von Ausbildung und Verschlechterung der Beschäftigungsbedingungen Teile der Sozialen Arbeit in der Aufgabenwahrnehmung beeinträchtigt.

Den in dem skizzierten Widerspruch enthaltenen Fragen will die Veranstaltungsreihe im Winterhalbjahr 2012/2013 nachgehen.

Überblick:
17. November 2012 10-13 Uhr: Verteidigen, bewahren und überwinden zugleich. Für eine solidarische Soziale Arbeit. Mitglieder des AKS Dresden gestalten eine Arbeitsgruppe auf dem Kongress "Vom Mehrwert des Sozialen". Anmeldung hier: www.ehs-careerservice.de/index.php

8. Januar 2013, 19 Uhr: Kopf oder Zahl - zum Stand der Anwaltsfunktion in der Praxis der Wohlfahrts- und Jugendverbände. mit Beate Hennig, Christian Schönfeld und Norbert Wohlfahrt. Moderation: Adrian Groschwitz

26. Februar 2013, 19 Uhr: Politische Sichtweisen auf die Soziale Arbeit - Interpretationen der sächsischen Sozialpolitik. Mit Werner Patzelt. Moderation: Björn Redmann

 

Veranstaltungen im Einzelnen:

17.November 2012, 10 - 13 Uhr
Verteidigen, bewahren und überwinden zugleich. Für eine solidarische Soziale Arbeit

 

Andreas Borchert, Nicole Bröer, Kai Fritzsche, Prof. Ullrich Gintzel, Björn Redmann (Mitglieder des AKS Dresden)

Im Kampf um die Verteilung von öffentlichen Mitteln, in den Forderungen nach einer Evidenzbasierten Sozialen Arbeit, in der gesellschaftlichen Rückkehr autoritärer Impulse und dem Rückgang öffentlich verfügbarer und durch die Menschen gestaltbarer Räume stehen Soziale Arbeit und vor allem die ihr anvertrauten Menschen gesellschaftlich unter höchsten sozialen Belastungen.

Der Druck trifft auf die Betroffenen (z.B. MigrantInnen, Jugendliche, Armutserfahrene, Schulverweigernde, Psychisch Kranke, Arbeitslose, Drogen konsumierende, Unangepasste, etc.) und auf eine höchst verunsicherte Soziale Arbeit, die sich tendenziell nicht mehr in der Lage sieht, unvoreingenommen, spontan, adressatInnenbezogen und flexibel Unterstützungsangebote mit den KlientInnen zu entwickeln.

Diese und korrespondierende Entwicklungen führen innerhalb der Rahmungen Sozialer Arbeit zu massiven Veränderungen der Praxis Sozialer Arbeit, den Haltungen Sozial Arbeitender und einem Abbau von Solidarität.

In einer Arbeitsgruppe des 3. Kongresses für Soziale Arbeit sollen auf Grundlage der Erfahrungen und Sichtweisen der Teilnehmenden ein vorbereitetes Positionspapier „Plädoyer für eine Solidarische Soziale Arbeit“ diskutiert, verändert und erweitert  werden.

 

 

 

Informationen zum 3. Kongress für Soziale Arbeit:
(15.-17.11.2012 an der ehs Dresden) Anmeldung bis zum 30.10.2012 unter www.amiando.com/Kongress_Mehrwert

 

 

 

 

8. Januar, 19-21 Uhr
Kopf oder Zahl - zum Stand der Anwaltsfunktion in der Praxis der Wohlfahrts- und Jugendverbände
Beate Hennig (Paritätischer Wohlfahrtsverband Sachsen)
Christian Schönfeld (Diakonie Sachsen)
Prof. Dr. Norbert Wohlfahrt (EFH Bochum)
Moderation: Adrian Groschwitz

Ein wichtiger Faktor der sozialpolitischen Gestaltung Sozialer Arbeit war in der BRD seit ihrem Bestehen die anwaltliche Funktion der Wohlfahrts- und Jugendverbände. Mit dem ökonomischen Paradigma und der neoliberalen Ausrichtung von Sozialpolitik und Förderstrategien der öffentlichen Hand lassen sich die Vorraussetzungen für die Erfüllung der Anwaltsfunktion jedoch  als zunehmend eingeschränkt vermuten. Ist  diese noch kompatibel mit der „neuen“ Rolle eines an Marktprinzipien und Sozialunternehmeraufgaben orientierten sozialen Dienstleisters? Ist die Balance zwischen ökonomischer Realität und sozialem Auftrag in der sozialarbeiterischen Praxis der Wohlfahrtsverbände möglich oder (nur) diskursiver Teil der Vermarktung einer neuen Fachlichkeit?

Eine Bestandsaufnahme und Diskussion u.a. zu diesen Fragen soll gemeinsam mit Beate Hennig (Paritätischer Wohlfahrtsverband Sachsen),  Christian Schönfeld (Diakonie Sachsen) und Prof. Dr. Norbert Wohlfahrt (EFH Bochum) in dieser Veranstaltung stattfinden.

 

 

 

 

 

 

 

26. Februar 2013, 19- 21 Uhr
Politische Sichtweisen auf die Soziale Arbeit – Interpretationen der sächsischen Sozialpolitik
Prof. Dr. Werner Patzelt (TU Dresden)
Moderation: Björn Redmann

Spätestens seit den Diskussionen über den Doppelhaushalt der Sächsischen Landesregierung für die Jahre 2012/2013 und den damit verbundenen Demonstrationen und Aktionen im Jahr 2010 wird immer wieder die Frage gestellt, welchem gesellschaftlichen Leitbild die Sächsische Landesregierung tatsächlich folgt. Auch gibt es Aussagen aus der sächsischen Politik, welche die Arbeit von Wohlfahrts- und Jugendorganisationen in Frage stellen. Ferner sind Kürzungen im Sozialbereich vollzogen worden. Wie sehen also die sächsische Politik und Staatsregierung die Soziale Arbeit im Lande? Welchen Stellenwert messen sie ihr bei?

Mit dem sächsischen Politikwissenschaftler Werner J. Patzelt werden Antworten auf die Fragen gesucht, wie die Leitideen und konkreten Politiken der Sächsischen Staatsregierung zu interpretieren sind und im Sinne einer konstruktiven oder konfrontativen Vorgehens-weise der Sozialen Arbeit beeinflusst werden können.

 

 

Flyer zum Download

Flyer_23-10-12.pdf