HERZLICHE EINLADUNG:

In seiner 16. Veranstaltungsreihe diskutierte der AKS Dresden mit Praktiker*innen, Hochschulvertreter*innen und Interessierten die Themen Flucht, Migration und Asyl sowie Spannungsfelder Sozialer Arbeit. Im Nachgang entstand das vorliegende Denkpapier. Es dokumentiert begonnene Diskussionen und führt sie zum Teil weiter.

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12. Veranstaltungsreihe des Arbeitskreises Kritische Soziale Arbeit Dresden 2013/2014

 

"Repression in der Jugendhilfe. Ausdruck einer neuen Kultur oder von Hilflosigkeit?"

In der sehr gut besuchten 12. Veranstaltungsreihe beschäftigte sich der AKS Dresden mit der Fragestellung, ob es eine neue Kultur von Repression in der Jugendhilfe gibt oder ob es eine Form von Hilflosigkeit ist, wenn z.B.
Kinder und Jugendliche in der Jugendhilfe geschlossen "hinter Mauern oder Zäunen" untergebracht werden, in geschlossenen Einrichtungen der Jugendhilfe wieder "körperlich gezüchtigt" wird, Adressat_innen von Jugendhilfe paternalistisch begegnet wird und mittels Überredung oder zu "ihrem Besten" gezwungen werden, Zwang gegenüber Jugendlichen ausgeübt wird, der keine Wahl lässt, über Trainingsmaßnahmen Jugendliche konditioniert werden, um wieder "auf den richtigen Weg" zu kommen, mittels Maßnahmen wie "Heißer Stuhl" Kindern und Jugendlichen ihre Würde genommen wird.

Veranstaltungen:

1. Veranstaltung: "Repression – Strafen – Zwang als Grundelemente der Erziehungshilfepraxis?" mit Prof. Dr. Holger Ziegler, 03.12.2013, 19.00 Uhr. Moderation: Björn Redmann

Erziehung zur Emanzipation und Teilhabe, wie Klaus Mollenhauer es formulierte schien bis in die 2.000er Jahre hinein die selbstverständliche Leitlinie zu sein. Mit der Diskreditierung von Armut, sozial Benachteiligten und dem Sozialen insgesamt kommt es scheinbar im öffentlichen Diskurs immer stärker zur Rehabilitation repressiver Formen in der Erziehungshilfe. Sind aber Geschlossene Unterbringung, „Begrenzende Erziehung“, Konditionierungen geeignete Erziehungshilfeformen für die heranwachsende Generation in einer demokratischen, pluralen und globalen Gesellschaft? Mit dem Grad der Verweigerung einer angemessenen sozialen Infrastruktur, ausreichender Angebote der Jugendarbeit und bedarfsgerechter Erziehungshilfe scheinen jedoch strafende, zwangsorientierte Formen der Erziehungshilfe gerade das probate Mittel zu sein, um von schlechten Lebensbedingungen abzulenken.

 

2. Veranstaltung: Die Rolle der Kinder- und Jugendpsychiatrie für die Lösung von Problemen der Jugendhilfe mit Dr. med. Paul Erdèlyi, Kinder- und Jugendpsychiater, 14.01.2014, 19.00 Uhr. Moderation: Matthias Müller

Der Diskurs über die Kooperation von Jugendhilfe und Jugendpsychiatrie prägt seit Beginn moderner Sozialer Arbeit wesentlich die Problemdeutungen und die Bewältigungsformen. Dabei scheint die Jugendhilfe kritiklos viele Argumentationen der Jugendpsychiatrie zu übernehmen und gleichzeitig diese bei den besondere Probleme bereitenden Mädchen und Jungen zur Entlastung (teilweise missbräuchlich) zu nutzen.

Paul Erdelyi war lange Jahre als Kinder- und Jugendpsychiater beim Landesjugendamt in Westfalen-Lippe tätig, und ist einer der herausragenden Experten im Grenzbereich von Jugendhilfe und Jugendpsychiatrie. Mit ihm soll der Versuch des Verstehens dieser Prozesse unternommen werden.

 

3. Veranstaltung: Jugendhilfe in extremen Situationen mit herausfordernden jungen Menschen. Die Bedeutung hoch spezialisierter Erziehungshilfeangebote mit Prof. Dr. Regina Rätz, 24.01.2013, 19:00 Uhr. Moderation: Nicole Schumann

Entspezialisierung ist eine der Strukturmaximen, an denen sich die Jugendhilfe nach dem Achten Jugendbericht (1990) ausrichtete. Spezialisierungen von Angeboten führen zwangsweise zum Ausschluss und zu einem System der gegenseitigen Verweisung, von Verlegen und Abschieben (Freigang). Es kommt zur spezieller Behandlung als spezifisch definierter Probleme, während die Ganzheitlichkeit und Lebensweltbezogenheit – man kann auch sagen die gesellschaftliche Dimension – außer Acht gelassen werden.

Die Zunahme von spezialisierten Einrichten wie ADHS-Wohngruppen oder Intensivpädagogische Gruppen für sexuell übergriffige Jungen sind eher nicht geeignet, den betroffenen Kindern und Jugendlichen Wege aufzuzeigen ihre Soziabilität zu entwickeln.

Statt der Behandlung in spezialisierten Einrichtungen muss die Fähigkeit zur Erziehung von Mädchen und Jungen auch in schwierigen Kontexten und bei extremen Lebenserfahrungen gesichert werden.

Gemeinsam mit Regina Rätz suchen wir nach Antworten auf die Fragen: Was hilft den jungen Menschen Soziabilität zu entwickeln? Wie wirkt sich das Unterbringen in spezialisierten Einrichtungen auf die Entwicklung junger Menschen aus?

 

Alle Veranstaltungen finden kostenfrei statt und es bedarf keine Anmeldung.

Ort für alle Veranstaltungen: Evangelische Hochschule Dresden, Dürerstraße 25, 01307 Dresden, Raum 3.215