HERZLICHE EINLADUNG:

„Ich bin dann mal weg …“ Kriminalität und Kriminalisierung oder die Frage danach wie wir mit Abweichung umgehen wollen?

23.10.2018 - Abweichendes Verhalten und Kriminalisierung im Wandel gesellschaftlicher Diskurse

08.11.2018 - Praxis des Strafvollzugs in der Bundesrepublik im Spannungsfeld zwischen Entlassungsvorbereitung und dem Schutz der Gesellschaft

15.01.2019 - Abolitionismus / die Frage nach der Abschaffung der Gefängnisse

 

In seiner 16. Veranstaltungsreihe diskutierte der AKS Dresden mit Praktiker*innen, Hochschulvertreter*innen und Interessierten die Themen Flucht, Migration und Asyl sowie Spannungsfelder Sozialer Arbeit. Im Nachgang entstand das vorliegende Denkpapier. Es dokumentiert begonnene Diskussionen und führt sie zum Teil weiter.

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19. Veranstaltungsreihe des AKS Dresden (Sommersemester 2018; April bis Juni 2018)

 

Sogenannte 'Systemsprenger' - Erziehbarkeit oder Nichterziehbarkeit als Herausforderung für die Kinder- und Jugendhilfe?! 

Sogenannte „Systemsprenger“ – ein Begriff der in Fachkreisen und der medialen Öffentlichkeit häufig unkritisch und selbstverständlich verwendet wird, wenn als herausfordernd erlebte Kinder und Jugendliche u.a. pädagogische Fachkräfte an ihre Grenzen bringen. Häufig handelt es sich um Kinder und Jugendliche, die Maßnahmen abbrechen, die zwischen der Jugendhilfe und der Psychiatrie pendeln, die den Schulbesuch verweigern, mit Alkohol und Drogen in Berührung kommen oder mit dem Gesetz in Konflikt geraten. Der Blick dahinter offenbart oftmals: Es handelt sich um junge Menschen, die schwierige Biografien mitbringen, viele Beziehungsabbrüche – auch innerhalb der Jugendhilfe – erlebt haben, teils erst in diesen professionellen Hilfebezügen zu „besonders Schwierigen“ wurden und oft Hilfekarrieren hinter sich haben. Das nicht selten deshalb, weil die beteiligten Systeme teils unabgestimmt agieren und oftmals eher im Duktus ihrer eigenen Zwänge und Organisationslogiken handeln und eben nicht der junge Mensch mit seinen lebensweltlichen Bedarfen, dem Recht auf Beteiligung und seinem Bewältigungsverhalten im Mittelpunkt steht. Jedes System hat seine Regularien und scheint zu „wissen“, was für den jungen Menschen „gut“ ist. Das Scheitern am und der (versuchte) Ausbruch aus dem (Hilfe-)System ist nicht selten die Folge. Gemeinsam mit sehr unterschiedlichen Referent*innen wollen wir in dieser Veranstaltungsreihe diskutieren, wie ein systemkritischer Umgang mit so bezeichneten „Systemsprengern“ aussehen kann, welche Modelle es bereits gibt und welche Rolle die ambivalenten Kategorien Lebenswelt – Subjekt – Erziehung – Zwang – Emanzipation dabei eigentlich spielen.

 

1. Veranstaltung: Erziehung und Zwang

18. April 2018, 19.00 bis 21.00 Uhr

Gäste: Nicole Rosenbauer (EHS Dresden) und Frank-Michael Marteaux (ehemaliger Geschäftsführer Umgebinde mbH )

Moderation: Sarah Blume (AKS Dresden) 

Mädchen und Jungen mit belastenden Lebenserfahrungen haben häufig sehr ausgeprägte Verhaltensweisen, mit denen sie sowohl die Eltern als auch die Pädagog*innen in den unterschiedlichen Institutionen herausfordern. Viele von ihnen wachsen in gewaltbelasteten Lebensverhältnissen auf. Im Rahmen von Erziehungshilfe führen sie die Erwachsenen an ihre Grenzen. Die Frage nach der geeigneten und notwendigen erzieherischen Hilfe stellt sich spätestens dann neu, wenn die Regeleinrichtungen der Erziehungshilfe – oft gestützt auf jugendpsychiatrische Diagnosen – ihre eigenen Handlungsmöglichkeiten als ausgeschöpft erklären. Intensivpädagogische Angebote mit einem hohen Anteil von Regelungen und Zwangsmaßnahmen bis hin zu geschlossenen Einrichtungen sind häufig eine weitere Stufe der Intervention. Die fachlichen Diskussionen über die Angemessenheit und Eignung derartiger Erziehungsformen werden seit Jahrzehnten in der Jugendhilfe kontrovers diskutiert. Diesen Kindern und Jugendlichen ist auf eine andere Weise nicht mehr zu helfen, so argumentiert eine Gruppe von Fachkräften, sowohl in den Jugendämtern, als auch in den Einrichtungen der Jugendhilfe. Junge Menschen mit massiven Gewalterfahrungen haben in solchen, eng an Zwang angebundenen Maßnahmen, wenig oder keine Chancen, weil die strukturelle und subjektiv neuerliche Gewalt nicht zur Aufarbeitung und zu einer Bewältigung destruktiver Verhaltensweisen führen kann, so die Vertreter*innen kritischer Positionen. In der Veranstaltung soll mit den Referent*innen nach den Entstehungsgeschichten von extrem herausforderndem Verhalten und den erklärenden Zuschreibungsprozessen und „Diagnosen“ gefragt werden. Letztlich geht es um die Frage was angemessene und Erfolg versprechende Erziehungshilfen sind, die auch herausfordernden, jungen Menschen mit schwierigen Lebenserfahrungen ein gelingendes Aufwachsen ermöglichen.

 

2. Veranstaltung: Kooperationsmodell zur Vermeidung von Geschlossener Unterbringung in der Jugendhilfe Hamburg

23. Mai 2018; 19.00 bis 21.00 Uhr 

Gäste: Prof. Dr. Michael Lindenberg (Das Rauhe Haus – Evangelische Hochschule für Soziale Arbeit & Diakonie Hamburg)

Moderation: Ullrich Gintzel (AKS Dresden) 

Geschlossene Heime sind keine Lösung. Kinder und Jugendliche dürfen in ihren Menschenrechten nicht verletzt werden. Das gilt immer und überall. Und doch passiert es, wie die Erfahrungen der letzten Jahre zeigen. Dabei wissen alle Fachleute: Erziehung kann nur mit den Kindern und Jugendlichen gelingen, niemals gegen sie. Geschlossene Unterbringung (GU) ist nicht nur eine Verletzung von Menschenrechten, sondern auch unsinnig, weil sie das Gegenteil von dem erzeugt, was sie angeblich erreichen will: Eigenständiges und verantwortliches Handeln. „Und was ist mit den vermeintlich „aussichtslosen Fällen“?“ wird dann gefragt. Gerade die so stigmatisierten jungen Menschen haben ein Recht darauf, unterstützt zu werden. Dass dies gelingen kann, zeigen 20 Jahre von 1982 bis 2002 in Hamburg ohne geschlossene Heime und aktuell die Koordinierungsstelle individuelle Unterbringung in Hamburg. Seit ihrem Bestehen im April 2014 konnte sie jede geplante geschlossene Unterbringung verhindern, indem sie zusammen mit den betroffenen Menschen sinnvolle Alternativen entwickelt und gefunden hat. Michael Lindenberg ist seit vielen Jahren am Diskurs über die Geschlossene Unterbringung in Hamburg und auf Bundesebene aktiv beteiligt. In der Veranstaltung sollen die Grundfragen zur Erziehung mit Zwang ebenso diskutiert werden wie die Hamburger Erfahrungen mit der Koordinationsstelle zur Vermeidung der GU.

 

3. Veranstaltung: Kooperation zwischen Kita und Erziehungshilfen zur Vermeidung von Ausgrenzung?

26. Juni 2018, 19.00 bis 21.00 Uhr

Gäste: Prof. Dr. Friedhelm Peters und Valentin Kannicht (EHS Dresden, Bundesmodellprojekt KiTa und HzE)

Moderation: Matthias Müller (AKS Dresden) 

Personalmangel, schlechte Betreuungsschlüssel und als herausfordernd erlebte Kinder, Jugendliche und Familien sind nur einige Beispiele, die die pädagogischen Fachkräfte in der täglichen Arbeit in KiTas an ihre Grenzen bringen. Hinzu kommt, dass das Arbeitsfeld der Kindertagesbetreuung auch innerhalb der Kinder- und Jugendhilfe noch zu wenig Anerkennung und Wertschätzung erfährt. An dieser Schnittstelle setzte das Bundes-Modellprojekt „Kita und HzE“ an. Im Rahmen des Projektzeitraumes, von 2015 bis 2018, sollte „[...] durch die Erarbeitung einer nicht-ausgrenzenden Hilfephilosophie sowie der Schaffung einer gemeinsamen Sprache und Fallverantwortung gekoppelt mit konkreten Maßnahmen und Methoden, Ausgrenzungen einzelner Kinder vermieden, die Früherkennung und Bearbeitung individueller Bedarfe gestärkt sowie entsprechende Angebote kooperativ zwischen Kita und Hilfe zur Erziehung (HzE) entwickelt werden [...]“. Prof. Dr. Friedhelm Peters und Valentin Kannicht werden zentrale Ergebnisse und Erfahrungen des Projektes vorstellen und stehen anschließend für die Diskussion zur Verfügung. 

 

 

Veranstaltungsort für alle Veranstaltungen: 

Evangelische Hochschule Dresden, Seminarraum 3.215

Dürerstraße 25, 01307 Dresden 

Die Veranstaltungsreihe ist grundsätzlich kostenfrei. Der Arbeitskreis freut sich über Spenden, um weitere Veranstaltungen mit ausgewählten Referent*innen finanzieren zu können.