HERZLICHE EINLADUNG:

In seiner 16. Veranstaltungsreihe diskutierte der AKS Dresden mit Praktiker*innen, Hochschulvertreter*innen und Interessierten die Themen Flucht, Migration und Asyl sowie Spannungsfelder Sozialer Arbeit. Im Nachgang entstand das vorliegende Denkpapier. Es dokumentiert begonnene Diskussionen und führt sie zum Teil weiter.

Bitte um Spenden

Die Arbeit des AKS kostet Geld. Auch wenn unsere Veranstaltungen grundsätzlich kostenfrei sind, kosten sie natürlich Geld. Wir bitten daher um Spenden.

"Solidarische Soziale Arbeit mit Menschen mit Fluchterfahrung?!"

Perspektiven auf Möglichkeiten, Unmöglichkeiten und Widersprüche einer kritischen Sozialen Arbeit in „sächsischen Verhältnissen“

Veranstaltungsreihe von Dezember 2015 bis Februar 2016

Angesichts konfliktreicher weltpolitischer Situationen verlassen Menschen ihre Heimat, waren und sind sie auf der Flucht. Dort, wo Tod und Verfolgung drohen, wo Lebensgrundlagen zerstört werden, wo (strukturelle) Diskriminierung und Gewalt Menschen an die Grenzen des Aushaltbaren bringen, beginnt eine meist langwierige Suche nach sicheren Lebensgestaltungsperspektiven. Seit jeher wird versucht diese Suche und die damit einhergehenden Fluchtbewegungen zu regulieren und im Sinne Foucaults zu regieren; u.a. durch eine repressive Politik und Gesetzgebung der Grenzsetzung und Entrechtung, die nicht nur an den europäischen Grenzen, sondern in allen lokalen Zusammenhängen wirken. Diejenigen, die dennoch nach Europa, in die BRD und eben auch nach Sachsen gelangen, finden sich meist wieder in einer höchst widersprüchlichen Lebenssituation: Langes Warten in bürokratischen Machtstrukturen, Perspektivlosigkeit, zum Teil katastrophale Unterbringungszustände sind ein Teil der Realität – auch in Sachsen und Dresden. Zugänge zu gesellschaftlicher, geschweige denn politischer Teilhabe sind vielfach verstellt. Während die Öffentlichkeit u.a. darüber diskutiert, wer ein „richtiger Flüchtling“ ist, wer sich „lohnt“ und wer letztlich „nur kostet“ oder gar das System „missbraucht“, kämpfen Initiativen für eine solidarische Willkommenskultur und gegen die sich zu rassistischer Hetze und realen Bedrohungs- und Gewaltsituationen gesteigerten „Sorge“ von Bürger_innen. Täglich neu wird Nicht-Zugehörigkeit konstruiert und wird verhandelt über „richtig“ und „falsch“ im Umgang mit Menschen mit Fluchterfahrung. Migration und Flucht sind konflikthafte, gesellschaftliche Tatsachen. Soziale Arbeit als staatlich institutionalisierte Hilfe ist Teil der politisch angespannten und höchst widersprüchlichen Gesamtsituation. Sozialarbeiter_innen selbst sind angesichts neuer Eskalationsstufen vielleicht mehr denn je gefordert sowohl als Bürger_innen, wie auch als professionelle Fachkräfte Positionen zu finden.

In der 16. Veranstaltungsreihe des AKS Dresden wollen wir vor dem Hintergrund von Macht- und Herrschaftskritik verschiedene Aspekte gemeinsam diskutieren. Wohlwissend, dass es sich in Anbetracht der Komplexität des Themas immer nur um Ausschnitte handeln wird, wollen wir ausgehend von Information über aktuelle Verhältnisse und grundsätzlicher (Selbst-)Kritik die Möglichkeiten und Grenzen einer kritischen solidarischen Praxis Sozialer Arbeit ausloten.

Zum Audio-Rückblick der 16.Veranstaltungsreihe

1. Veranstaltung:

1. Dezember 2015 von 19-21Uhr: "Ankommen und Leben von Menschen mit Fluchterfahrung in „sächsischen Verhältnissen“, Referent_in: Heidi Hemmann; Danilo Starostra (Kulturbüro Sachsen e.V.), Moderation: Johannes Reuter

Zunächst stellt sich die Frage, was wir eigentlich wissen oder vielmehr nicht wissen, wenn es um die Themen Flucht und Asyl in Sachsen geht: Welche Hintergründe prägen Menschen mit Fluchterfahrungen? Welche Hoffnungen und Bedürfnisse? Wie lassen sich die Lebensverhältnisse von Menschen mit Fluchterfahrung in Sachsen und Dresden beschreiben? Durch welche politische Praxis und Deutungsmuster werden sie produziert und reproduziert? Wie lässt sich im allgemein die politische Kultur in Sachsen und Dresden deuten? Wo bewegt sich etwas, wo herrscht Stillstand?

2. Veranstaltung:

25. Januar 2016 von 19-21Uhr: "SozialeArbeitMachtRassismus – Bleibende Widersprüche und Ansätze des Handelns", Referent_in: Prof. Dr. María do Mar Castro Varela (ASH Berlin), Moderation: Christiane Löffler

Wenn Kritik die Kunst ist „nicht dermaßen regiert zu werden“ (Foucault) stellt sich in Bezug auf Soziale Arbeit selbst als Erstes die Frage wo diese herrschaftlich mit regiert, wo sie eingebettet ist in strukturelle Gewaltverhältnisse und wo sie sich diskriminierender und ausschließender Handlungspraxen bedient. Einen besonderen Fokus wollen wir hier auf das Thema Rassismus legen: Sozialarbeiter_innen scheinen von überall her damit konfrontiert und gleichzeitig extrem verunsichert zu sein – sei es durch „besorgte Bürger_innen“ im Gemeinwesen, durch rassistische Haltungen von Adressat_innen teilweise auch von Kolleg_innen, die immer unvermittelter zu Tage treten oder durch die Erzählungen von Menschen, welche selbst von Rassismus betroffen sind. Mit Prof. Dr. Maria do Mar Castro Varela möchten wir angesichts der Situation in Sachsen diskutieren, wie Rassismus aus machtkritischer Perspektive grundsätzlich zu verstehen ist, welche Rolle er für und innerhalb Sozialer Arbeit spielt und welche praktischen Ansätze und Handlungsweisen denkbar sind, für eine Soziale Arbeit, die selbstkritisch gegenüber Regierungsweisen agieren und sich solidarisieren will mit von Rassismus betroffenen Menschen.

3. Veranstaltung:

16. Februar 2016 von 19-21 Uhr: "Kritische, solidarische Praxis mit Menschen mit Fluchterfahrung in Sachsen. Anspruch oder Illusion?", Referent_in: Eric Hattke (Bündnis Dresden für Alle), Moderation: Björn Redman

Soziale Arbeit bewegt sich in ihren Grundstrukturen immer zwischen Unterstützung und Ermächtigung einerseits; und Ausgrenzung, Marginalisierung und dem „Verwalten von Menschen“ andererseits. Im Sinne einer kritischen Praxis möchte der AKS schlussendlich im Spiegel der vorangegangen Veranstaltungen auch nach den Möglichkeiten und Grenzen solidarischer Sozialer Arbeit im Kontext „sächsischer Verhältnisse“ fragen. Wie kann eine solidarische Praxis aussehen, die sich u.a. am Subjektstatus von Menschen orientiert, einen Beitrag zu Ermächtigung und Emanzipation leisten will, sich solidarisieren will mit Menschen mit Fluchterfahrung und sich nicht beteiligen will an Herrschaft und Unterdrückung?