HERZLICHE EINLADUNG:

In seiner 16. Veranstaltungsreihe diskutierte der AKS Dresden mit Praktiker*innen, Hochschulvertreter*innen und Interessierten die Themen Flucht, Migration und Asyl sowie Spannungsfelder Sozialer Arbeit. Im Nachgang entstand das vorliegende Denkpapier. Es dokumentiert begonnene Diskussionen und führt sie zum Teil weiter.

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Soziale Arbeit macht Menschenrechte

17. Oktober 2011 bis 28. Februar 2012 an der ehs Dresden

Vorwort

Soziale Arbeit ist eine Agentur zur Gestaltung sozialen Lebens moderner Gesellschaften. Die unterschiedlichen Funktionen sind mit Begriffen wie Hilfe und Kontrolle, Emanzipation versus Diszi-plinierung, Inklusion versus Exklusionsverwaltung verbunden, um nur einige zu nennen. Immer aber ist klar, dass Soziale Arbeit unmittelbar beeinflusst wird von gesellschaftlichen Wandlungsprozessen und Veränderungen von Machtstrukturen sowie normativen Diskursen.

Gegenwärtig lassen sich viele Hinweise erkennen, wie das Soziale im Herrschaftsdiskurs umgedeutet wird  „Vom Sozialstaat zum Aktivierenden Sozial-staat“ oder von der „Solidarischen Verantwortung zur individuellen Risikoabsicherung“. Auch lassen sich viele Hinweise darauf finden, dass Soziale Arbeit für die Entsolidarisierung der Gesellschaft und die restriktive Kontrolle mit den „Un-produktiven“ instrumentalisiert werden soll.

Dies führt zwangsläufig zu der Frage nach den Interessen und Interessengruppen, die hinter solchen Entwicklungen stehen. Mit den Fragen nach der Verpflichtung der Sozialen Arbeit an den Menschenrechten oder der Auslieferung an die Macht ist auch damit verbunden, ob Soziale Arbeit tatsächlich Menschenrechtsprofession (Staub-Bernasconi) sein kann und Rechte bzw. Rechtswahrnehmung der Menschen wahrnehmen kann. Von der Beantwortung, ob Sozialer Arbeit eingeschränkt oder uneingeschränkt den zentralen Kräften der Machtausübung ausgeliefert ist oder ob sie inzwischen die Kraft zu eigensinnlichen Gestaltungsaufgaben hat, hängen die Konzepte und Methoden entscheidend ab.

Mit diesen Themen werden sich die Teilnehmenden in den drei Veranstaltungen des Wintersemesters auseinandersetzen.

Übersicht:

17. Oktober 2011, 20 - 22 Uhr
Wer hat die Macht und was macht die Macht mit der Sozialen Arbeit?
Prof. Dr. Fabian Kessl (Uni Duisburg/Essen)

7. Dezember 2011, 19 - 21 Uhr
Soziale Arbeit - Ethik - Sozialrecht
Prof. Dr. Dr. Jochen Fuchs - Hochschule Magdeburg-Stendal
Prof. Dr. Ulf Liedke - Evangelische Hochschule Dresden (angefragt)
Prof. Dr. Barbara Wolf - Hochschule Mittweida

28. Februar 2012, 19 - 21 Uhr
Wissenschafts- und menschenrechtsbasierte Soziale Arbeit
Prof. Dr. habil. Silvia Staub-Bernasconi, Berlin und Zürich

 

 

17. Oktober 2011, 20 - 22 Uhr
Wer hat die Macht und was macht die Macht mit der Sozialen Arbeit?
Prof. Dr. Fabian Kessl (Uni Duisburg/Essen)

Wie sind die Macht- und Herrschaftsstrukturen in der aktuellen Gesellschaft? Wer gehört zu den Gewinnern, wer zu den Verlierern – und warum? Derartige Fragen sind von zentraler Bedeutung für die Soziale Arbeit.

Doch was meint Macht und Herrschaft in der Sozialen Arbeit und in welcher Weise sind diese in der Sozialen Arbeit relevant?

Prof. Dr. Fabian Kessl (Duisburg-Essen) hat sich intensiv mit diesen Fragen  auseinandergesetzt – insbesondere vor dem Hintergrund einer Rezeption der Arbeiten von Michel Foucault (z.B. in: „Der Gebrauch der eigenen Kräfte. Eine Gouvernementaliät Sozialer Arbeit“; Juventa Verlag 2005). In der Veranstaltung wird er die Konzepte von Macht und Herrschaft aus einer solchen machtanalytischen Perspektive im Kontext Sozialer Arbeit verorten und ihre Relevanz für ein kritisches Verständnis Sozialer Arbeit mit Verweis auf aktuelle gesellschaftlichen Entwicklungen verdeutlichen.

 

7. Dezember 2011, 19 - 21 Uhr
Soziale Arbeit - Ethik - Sozialrecht
Prof. Dr. Dr. Jochen Fuchs - Hochschule Magdeburg-Stendal
Prof. Dr. Ulf Liedke - Evangelische Hochschule Dresden (angefragt)
Prof. Dr. Barbara Wolf - Hochschule Mittweida

Soziale Arbeit, Sozialrechtsgebung und Ethik sind drei miteinander verschränkte Bereiche. Große Teile der stattfindenden Sozialen Arbeit ergeben sich aus den Leistungen der Sozialgesetze.

Die Sozialgesetze selbst sind an die Menschenrechte und diverse UN-Rechtskonventionen gebunden, welche wiederum ethische Werte darstellen. Mit dem Fokus auf eine Soziale Arbeit als Menschenrechtsprofession wird der Bogen von der Ethik zur Sozialen Arbeit gezogen.

Auch wenn eine enge Verstrickung der drei Bereiche gegeben ist, so stehen sie oft genug auf verschiedenen Seiten des Lebens. Zwiespälte werden besonders in den Bereichen von SGB II, SGB VIII, SGB IX, SGB XI und SGB XII deutlich, in denen Soziale Arbeit oft genug gegen Verwaltungs-vorschriften ankämpfen muss, die teilweise ethisch nicht vertretbar sind.

Wir wollen diese wechselseitigen Verstrickungen erkunden, sie aber nicht nur nach ihren Unzulänglichkeiten abtasten, sondern gleichfalls nach Möglichkeiten der gegenseitigen positiven Einflussnahme fragen und damit auch die Machtfrage an alle drei Bereiche stellen.

 

 

28. Februar 2012, 19 - 21 Uhr
Wissenschafts- und menschenrechtsbasierte Soziale Arbeit
Prof. Dr. habil. Silvia Staub-Bernasconi, Berlin und Zürich

Im Vergleich mit andern Professionen konnte sich der Neoliberalismus in der Sozialen Arbeit am Ungehemmtesten durchsetzen. Das heißt, dass es nicht nur die gesellschaftlichen „Machtverhältnisse“ sind, welche die Soziale Arbeit in großen Bereichen zur Vollstreckerin des neoliberalen Programms anhand seiner betriebswirtschaftlichen Sprache und Instrumente macht und ihre Klientel neu in „gesellschaftlich Verwertbare“ und „Unverwertbare“ einteilt. Mit-AkteurInnen und damit Verursacher dieser Situation sind auch die Sozialarbeitenden selber, die sich zumeist ausschließlich mit der Zielgruppe ihres Arbeitsfeldes und nicht mit der Disziplin und Profession Sozialer Arbeit identifizieren (dazu Seithe), was aber zugleich Spiegelbild und Produkt einer äußerst heterogenen DozentInnen- und Bildungslandschaft darstellt, die davon ausgeht, dass ein sechs-semestriges Regelstudium für das Studium einer Disziplin und Profession ausreichend ist. Die Masterstudiengänge zeigen ein noch zerklüfteteres Bild. Wenn die zu Recht neuen und wieder belebten „Arbeitskreise Kritischer SozialarbeiterInnen“ aber nicht bezüglich der Weiterentwicklung Sozialer Arbeit völlig randständig (vgl. dazu Jan Ferguson) oder im Umgang mit Machtfragen kritisch, aber hilflos appellativ bleiben wollen (vgl. dazu David Gil), werden sie das kritische Potenzial von Wissenschaft und Ethikkodex ihrer Profession in Lehre und Praxis einfordern müssen. Dies hätte zur Folge, dass „Kritische Soziale Arbeit“ und „Professionalisierung“ nicht gegeneinander ausgespielt werden können und Soziale Arbeit nicht ausschließlich als Herrschaftsinstrument zu kritisieren und beklagen wäre.

 

Veranstaltungsort für alle Veranstaltungen:

Evangelische Hochschule für Soziale Arbeit Dresden
Dürerstraße 25
01307 Dresden

 

KOSTENFREI & OHNE ANMELDUNG

Alle Interessierten sind herzlich eingeladen. Für die Veranstaltung werden keine TeilnehmerInnenbeiträge erhoben. Anmeldung nicht nötig - einfach vorbeikommen.

 

Mit UNTERSTÜTZUNG und in KOOPERATION:

Evangelische Hochschule für Soziale Arbeit Dresden

Rosa-Luxemburg-Stiftung

career service der ehs Dresden

 

VERANSTALTERIN:

Arbeitskreis Kritische Soziale Arbeit Dresden - www.aks-dresden.org

 

 

 

Flyer zum Herunterladen

AKS-Flyer_WS_11.pdf